KATHA´s CUTTING ART
„DUBAI POLICE STATION“
Es war Holy Friday. Konrad bog pünktlich am Morgen um 9.30 Uhr in unsere Service Road ein und hielt. „Komm´ spring rein! Wir kommen gut durch. Die Sheikh Zayed Road hat keinen Traffic.“ „Was ist das?“ „Stau“, antwortete er. „Aha.“ Er trug heute einen Anzug mit Schlips. Elegant mit Rennfahrerhandschuhen aus feinem Ziegenleder hielt er das Lenkrad in der Hand. Wir hatten einen Plan. „Der Schuft muss angezeigt werden!“
Ich war so durch den Wind, dass ich die Schönheit der Sheikh Zayed Road gar nicht wahr nahm. All diese Hochhäuser verdunkelten meinen Blick und bogen sich wie dunkle Gestalten herab. Mein Herz hämmerte, meine Hände waren pitschnass. Ich hatte Angst.
An einer weißen Mauer stand ganz groß: BUR DUBAI POLICE STATION.
Konrad ging vor und hielt mir die Türe auf. Ich betrat als Erste den Eingangsbereich.Schlagartig setzte mein Gehirn aus und ich funktionierte nur noch mechanisch. Da waren alles nur Männer. In grünen Uniformen mit Dienstgradabzeichen, Orden und goldenen Sternen. Auf dem Kopf trugen sie ein schräg gezogenes rotes Barett.
Konrad lief auf einen Officer zu und sprach mit ihm. Der Mann schaute zu mir herüber. Ich war so mit meinen Nerven durch, dass ich sofort hätte ohnmächtig umfallen können. „Eleonore kommst Du mal bitte.“ „Ja!“ „Salam Aleikum“, begrüßte ich die Einheimischen.
Wir schilderten die Situation in mehreren Büros. Die Ränge der Offiziere wurden immer höher. Es war schon Abend geworden. Dann kam ein Emirati dazu. Einer in weißem Dish Dash. Konrad nahm mich zur Seite und sagte, das wird hier eine größere Nummer, ein Offizialdelikt. „Ich komme nicht ins Gefängnis???“
„Nein, du bist hier das Opfer.“ Am nächsten Tag erwartete man uns bereits. Man legte mir ein Foto von Hala auf den Tisch. „Hast Du das Bild gemalt?“ Das ist mein Bild!, schoss es mir durch den Kopf.
Konrad sagte: „Die Polizei war heute Nacht bei Arik und hat das Bild konfisziert.“„Er hat alles abgestritten und dich angezeigt, dass du ihm 20.000 Dirham schuldest.“ Meine Knie sackten zusammen und ich kippte um. Eine warme Hand hielt mich fest. Man reichte mir einen Stuhl und etwas zu trinken.„Mademoiselle geht es Ihnen gut?“ Ich konnte nicht mehr folgen. Konrad führte die Anzeige bis zu Ende aus. Später teilte man ihm mit, dass Arik für zwei Jahre von Dubai verbannt wurde.
„GLÜCKSRITTER“
Bei uns überschlugen sich inzwischen die Ereignisse. Vallery war aufgeflogen und sah keinen anderen Weg mehr, als von Dubai nach Deutschland zu flüchten. Sie nahm den Reisepass einer deutschen Angestellten, färbte ihre Haare brünett und buchte auf diesen fremden Namen ihr Flugticket nach Deutschland.Man sagte später, es wäre die letzte Maschine gewesen, die sie noch mitgenommen hatte. Auf allen weiteren danach war sie bereits geblockt.So verschwand sie von der Bildfläche der High Society.
Monate später meldete sich der Vermieter von Vallery bei mir. Er dürfe die Wohnung jetzt räumen. Ob ich mich um den Verkauf der Möbel kümmern könne. Es wäre noch ein Bild von mir da. Golden Footprints. Mein erster Spaziergang am Jumeirah Beach. Freundlich trafen wir uns auf einen Kaffee.
Er erzählte, dass seine Familie die ersten Hotels vor 40 Jahren in Bur Dubai gebaut hatte und heute investiere er in Hospitality, Automarkt, Gold und Immobilien. Er kaufte zwei weitere Bilder von mir. Danach hatten wir nie wieder Kontakt.
Oft begegneten mir in Dubai überdrehte Deutsche, die von ihren Firmen hierher geschickt worden waren. Sie bekamen Villen, Autos und Kreditkarten.Dieses luxuriöse Leben verlockte viele zum Größenwahn. Man leaste sich teure Autos, kleidete sich in Luxusbrands ein und bezog Villen neben dem Golfplatz.
Da war es, dieses Wort: GlücksritterSie garantierten Geschäfte, die sie niemals einhielten, und die Emiratis bezahlten im Voraus. Dann kam die Finanzkrise.Die Sheikh Zayed Road, die immer Traffic hatte, war plötzlich leer. Die Malls ebenfalls
Vor den Villen standen überall Schilder mit For Sale. Dubai nutzte die Finanzkrise, um sein gesamtes System zu reformieren und griff dabei zurück auf seine Einheimischen und arabischen Gastarbeiter.
50. „VERSACE“
Inzwischen war ich schon einen Monat wieder in Dubai und hatte nichts von dem Orbit erfahren und mich auch nicht gemeldet. In seinem CCTV-Zimmer musste er mich doch schon längst auf einer Kamera gesehen haben? Chantal fragte täglich, ob ich von ihm gehört hatte und schwor mich darauf ein, mich nie wieder mit ihm in Verbindung zu setzen. Er hatte mich verbannt. Ich hatte seinen Antrag abgelehnt.
Ich bekam ihre ängstliche Denkstruktur nicht in meinen Kopf. Als wir einmal zusammen zur Opening Party einer Kunstmesse waren, standen wir in der Nische einer Galerie auf einmal vor einem Sheikh. Schlagartig erfüllte CC eine pralle Schamesröte im Gesicht. Bleichgesichtig fing sie an zu schlottern, verschlang sich in meinem Arm und zog mich weg. „Komm jetzt bitte hier weg!“
Ich schaute auf einen jungen Mann in Kandora, dessen Aufmerksamkeit auf eine Plastik aus Metall fiel. Es war eine gewisse Aufregung in dieser Ecke, weil eine Hoheit sich für diese Galerie interessierte. Da man damals noch grundsätzlich Fotografieren für unhöflich und vor allem als nicht erlaubt empfand, waren es das Raunen und Tuscheln, welches die Dynamik der Halle unterbrach.
Mich beschäftigte der Orbit. Warum durfte ich zurückkommen und nun ist er für mich unnahbar. Er hatte mir einmal gesagt, er wisse alles von mir. Jeden Schritt und wo ich mich aufhalte.Allerdings leben wir in Dubai eben so überwacht und kontrolliert. Wenn man sich nichts zu Schulden kommen lässt, lebt man damit sicher und ohne Überfälle, Einbrüche oder Betrugsmaschinerien. Dubai is watching you.
Ich weiß noch, als ich in der Mall of the Emirates war und mich der Orbit anrief und mir sagte: „Geh bitte zu VERSACE rein und sage, du kommst von Mister Orbit und sie sollen dir die gesamte neue Herbst- und Winterkollektion zusammenpacken und bringst sie gleich zu mir in die Villa.“ Ich stand vor diesem pompösen Store und traute mich nicht hinein. Ich sah aus wie ein mittelloser Tagelöhner und sollte da hineingehen.Schließlich trat ich ein. Ein junger Philippino kam auf mich zu und fragte, ob er mir helfen könne.
Da wurde ich weich und entschuldigte mich in allen Facetten, dass mir das sehr peinlich wäre. Ich erzählte, dass ich gerade einen Anruf von einem Emirati bekommen habe und er wolle die gesamte Herbst-Winter-Kollektion zu sich nach Hause geliefert bekommen. „Können Sie mir bitte sagen, ob ich gerade im falschen Film bin?“ Sie lachten milde und sagten: „Yes, yes we know Mister Orbit.“ Augenblicklich begann ein reges Treiben um mich herum. Ich wurde auf einen Sessel gebeten und gefragt, ob ich ein Glas Champagner möchte.
Es wurde eine ganze Flasche.Inzwischen tauchten zwei goldene Luggage-Trolleys auf und sie wurden mit Kisten und Kisten gefüllt. Durch die Mall begleitete mich danach der Security Service zum VIP-Eingang mit dem Trolley. Dort stand eine Stretch-Limousine von Mercedes und sie packten die Waren ein. Man hielt mir die Türe der Limousine auf und bat mich einzusteigen. „Sie haben die Adresse?“ „Ja sicher.“
"Dann fahren Sie bitte die Sachen zu ihm." Ich bin noch verabredet und bleibe in der Mall. Ich ließ mich nicht gern auf Spielchen ein. Nachts im Bett, lange nach Mitternacht, bekam ich eine WhatsApp. Ich solle runter zum Concierge kommen, dort liege ein Geschenk für mich.Am Morgen lief ich sofort zum Fahrstuhl. „Yes Madam, eine große Kiste wurde für Sie abgegeben.“
Da hielt ich sie in der Hand. Eine gewebte VERSACE-Tasche in Silber. Model „La Medusa“.
